Der Nexperia-Schock als Warnsignal
Im Oktober 2025 hat die niederländische Regierung den chinesischen Eigentümer des Chip-Herstellers Nexperia entmachtet. Peking reagierte sofort: Chip-Exporte wurden gestoppt. Das klingt nach einem politischen Streit unter Staaten – war aber innerhalb von Tagen ein handfestes Produktionsproblem für Volkswagen, BMW, Honda und Nissan.
Der Grund: Nexperia produziert rund 40 Prozent der sogenannten Standardchips für die Automobilindustrie weltweit. Diese Chips sind keine Hochleistungsprozessoren – sie steuern Bremssysteme, elektrische Fensterheber und Bordnetze. Klein, günstig, unverzichtbar. Und kaum zu ersetzen, weil der Zulassungsprozess für alternative Lieferanten Monate dauert.
China lockerte den Exportstopp im November 2025 teilweise. Der Grundkonflikt ist ungelöst – Wingtech fordert weiter die vollständige Kontrolle zurück. Für Unternehmen, die sich in Sicherheit wähnen, weil die Lieferungen wieder fließen: Die Abhängigkeit besteht unverändert. Und sie ist kein Einzelfall – sondern Symptom eines strukturellen Problems, das den gesamten Markt betrifft.
Mature Nodes – klein im Fokus, groß im Risiko
McKinsey erwartet, dass der globale Markt für Automotive-Software und Elektronik von heute 336 Milliarden auf 519 Milliarden US-Dollar bis 2035 wächst – rund 4,5 Prozent jährlich. Software, Fahrerassistenzsysteme und Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge sind die größten Treiber.
Das Problem liegt nicht im Wachstum selbst, sondern in der Investitionsverteilung. Modernste Chips – wie sie in Smartphones oder KI-Rechenzentren stecken – bekommen den Löwenanteil der Investitionen. Die älteren Chip-Generationen, die Automotive, Medizintechnik und Industrieautomation tatsächlich brauchen, werden dagegen kaum noch ausgebaut.
Diese älteren Chips – in der Branche Mature-Node- oder Legacy-Chips genannt – sind technisch nicht austauschbar. Sie verarbeiten hohe Spannungen, steuern Motoren und regeln Sensoren. Kein moderner Hochleistungschip kann das günstiger oder zuverlässiger. Die Nachfrage wächst jährlich zweistellig, die Produktionskapazität kaum. S&P Global Mobility schätzt, dass allein 2026 bis zu 600.000 Fahrzeuge weniger gebaut werden könnten, weil diese Chips fehlen.
Das DDR4-Problem: Ein laufender Countdown
DDR4- und LPDDR4-Speicherchips – der Standard in Fahrzeug-Cockpits und modernen Fahrerassistenzsystemen – werden bis Ende 2027 weitgehend aus der Produktion genommen. Die großen Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Kapazitäten auf neuere Speichergenerationen umgestellt, weil KI-Rechenzentren diese Chips mit wesentlich höheren Margen abnehmen.
Das Timing ist ungünstig: Die meisten Fahrzeuge, die 2028 vom Band laufen sollen, wurden mit DDR4 geplant. Eine Umstellung auf den Nachfolger erfordert, dass Chip-Lieferanten, Zulieferer und Fahrzeughersteller gleichzeitig handeln – ein Prozess, der typischerweise 18 bis 36 Monate dauert. Die Zeit läuft. Wer heute noch keine Migrationsstrategie hat, wird 2027 unter Druck entscheiden müssen.
Der Markt zeigt erste Stresssymptome: Die Preise für auslaufende DDR4-Module haben sich seit Mitte 2025 verdoppelt. Ältere Speicher sind stellenweise teurer als moderne – weil kaum noch welche hergestellt werden. Dieser Preisdruck ist kein isoliertes Phänomen. Er entsteht in einem geopolitischen Umfeld, das europäische Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt.
Was auf europäische Unternehmen jetzt zukommt
Neben dem Kapazitätsproblem kommen geopolitische Verschiebungen hinzu, die die Lage für europäische Abnehmer weiter verschärfen.
Ein großer Teil der neuen Kapazitäten und Förderprogramme konzentriert sich auf den US‑Markt und moderne KI-Chips, während Europas Industrie vor allem auf Mature-Node-Chips angewiesen ist. Die folgende Grafik macht sichtbar, wie diese Schere aufgeht – schrumpfende Verfügbarkeit bei gleichzeitig zweistelligem Nachfragewachstum.
US‑Taiwan-Deal: Vorrang für Amerika
Taiwan produziert über 60 Prozent aller Halbleiter weltweit. Das im Januar 2026 vereinbarte Handelspaket zwischen den USA und Taiwan sieht vor, dass Taiwan bis zu 250 Milliarden US-Dollar in amerikanische Chip-Werke investiert und im Gegenzug Zollvorteile sowie bevorzugten Marktzugang erhält. Wer für den US-Markt baut, baut weniger für Europa.
Warum Europa zum Nachzügler wird
US-Kunden werden zudem durch geplante Zollausnahmen für große Tech-Konzerne zusätzlich bevorzugt. Europäische Abnehmer konkurrieren also auf einem Markt, auf dem andere politisch vorn stehen – und zahlen trotzdem mit für die globalen Investitionen, weil die Refinanzierung über alle Märkte läuft.
Neue Chip-Werke brauchen fünf bis sieben Jahre bis zur Inbetriebnahme. Die erste europäische Fab kommt frühestens 2028 ans Netz. Kurzfristige Entlastung ist nicht in Sicht. Parallel baut China massiv Mature-Node-Kapazitäten aus – doch europäische Unternehmen können diese Chips aus regulatorischen und Compliance-Gründen häufig nicht einsetzen.
Wer auf bessere Zeiten wartet, verliert Handlungsspielraum. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob strukturelle Engpässe kommen – sondern ob das eigene Unternehmen vorbereitet ist.
Schritt 1: Transparenz über kritische Teile
Der erste Schritt ist der wichtigste: verstehen, welche Bauteile in den eigenen Produkten stecken, wo sie herkommen und wie lange sie verfügbar bleiben. Viele Unternehmen haben diese Übersicht heute nicht vollständig – und merken es erst, wenn Lieferungen ausbleiben. Studien zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Unternehmen echte End-to-End-Sicht in ihre mehrstufigen Lieferketten hat.
Schritt 2: Strategische Bestände statt Ad-hoc-Käufe
Wer heute gezielt kritische Komponenten einlagert, sichert sich Verfügbarkeit zu kalkulierbaren Preisen – bevor DDR4 vollständig ausläuft und Legacy-Kapazitäten weiter sinken. Moderne Lagermodelle machen das möglich, ohne dauerhaft Kapital zu binden, und trennen operative Versorgungssicherheit von der eigenen Bilanz.
Schritt 3: Versorgung aktiv steuern
Wer frühzeitig alternative Bezugsquellen qualifiziert und Allokationsstrategien plant, ist weniger abhängig davon, wie Chip-Hersteller ihre knappen Kapazitäten verteilen – und weniger anfällig für geopolitische Überraschungen. Dazu gehört auch, Fair-Share-Mechanismen der Lieferanten zu verstehen und eigene Hebel aufzubauen, um im Engpass priorisiert zu werden.
Diese drei Schritte bilden den Kern eines ACT-Ansatzes: zuerst Awareness (sehen, wo es kritisch wird), dann Control (Bestände und Allokation aktiv steuern) und schließlich Transformation (Strukturen und Partner so aufstellen, dass die nächste Krise weniger weh tut.
Vom ACT-Framework zum Critical Parts Concept
Wer heute Transparenz schafft, kann morgen steuern. Ein ACT-Framework hilft dabei, genau das strukturiert aufzubauen:
- Awareness über kritische Teile und Lieferketten,
- Control über Bestände und Allokation,
- Transformation hin zu belastbaren Strukturen und Partnern.
Genau hier braucht es einen Partner wie btv technologies – mit Transparenz-Lösungen und Services, die ACT aus der Theorie in Ihren Alltag bringen und Ihre Supply Chain konkret widerstandsfähiger machen.
Critical Parts Concept: Wenn der Engpass trotzdem kommt
In vielen Unternehmen spricht man in diesem Kontext von Critical-Parts-Management – bei btv konkret umgesetzt im Critical Parts Concept by btv technologies. Und wenn trotz aller Vorsorge eine Krise wie die Nexperia-Situation unvorhersehbar eintritt, setzt dieses Konzept auf der operativen Ebene an: Dann geht es darum, auch kritisch beschaffte Ware – inklusive Broker- und Restbeständen – so aufzubereiten, dass sie geprüft, rückverfolgbar und ready for integration ist und der Eigentümer der Teile selbst entscheiden kann, welche Werke und Tier‑N-Lieferanten zuerst versorgt werden.
In der Realität sieht das oft drastisch aus: Unternehmen kaufen im Engpass Broker-Ware zum Vielfachen des Normalpreises – und bekommen sie wegen fehlender Rückverfolgbarkeit, Tests oder Dokumentation nicht durch Qualität und Compliance. Die nebenstehende Grafik macht sichtbar, wie das Critical Parts Concept by btv technologies diese Broker-Falle entschärft und aus grauer Ware produktionsfähige, dokumentierte Bauteile werden.
Die naheliegenden Fragen lauten: Wo fangen wir an, wie tief müssen wir einsteigen – und lohnt sich der Aufwand überhaupt? Die folgenden Fragen und Antworten geben eine erste Orientierung.
FAQ: Critical Parts Concept by btv technologies
Das Critical Parts Concept by btv technologies ist ein strukturiertes Critical-Parts-Management: Sie definieren, welche Komponenten für Ihr Geschäft kritisch sind, btv übernimmt die operative Umsetzung – von der Beschaffung über Qualitätsprüfung und normgerechte Lagerung bis zur Allokation nach Ihren Prioritäten. Ziel ist nicht „mehr Daten“, sondern Zero line-down: kritische Teile sind verfügbar, geprüft und bereit für den Einsatz, wenn Sie sie brauchen.
In klassischen Strukturen liegt das Eigentum oft beim Lieferanten – und dieser entscheidet im Engpass per Fair Share, wer wie viel bekommt. Wenn Sie Eigentümer der kritischen Teile sind, drehen Sie dieses Prinzip um: Sie können aktiv allokieren, welche Werke, Plattformen oder Tier‑N-Lieferanten zuerst versorgt werden. btv technologies stellt dafür die Infrastruktur bereit – vom Lagerhub über Reporting bis zur Aussteuerung der Lieferungen. Durch Rahmenvereinbarungen und klar geregelten Eigentumsübergang werden kritische Teile aus dem Fair-Share-Spiel herausgenommen – der Eigentümer entscheidet, nicht der Lieferant.
In der letzten Krise haben viele Unternehmen den Markt an möglichen Teilen leergekauft – teilweise zum Vielfachen des Normalpreises. Trotzdem standen Linien still, weil Teile zwar irgendwo lagen, aber nicht freigegeben, nicht rückverfolgbar oder nicht zuordenbar waren. Das Critical Parts Concept setzt an einer anderen Stelle an: Entscheidend ist, wer die Ware besitzt und wer sie aktiv allokieren kann. Wenn Sie Eigentümer der Teile sind und btv technologies die Ware nach Automotive-Standards prüft, rückverfolgbar macht und nach Norm lagert, wird auch kritisch beschaffte Broker-Ware wirklich ready for integration – statt nur auf dem Papier verfügbar zu sein. Kapitalbindung bleibt ein Faktor, aber der größere Hebel ist: Jeder Euro in kritische Teile lässt sich im Krisenfall gezielt in laufende Produktion übersetzen – statt in ungenutzten Beständen zu hängen.
Die Konsequenzen sind messbar
Die Frage ist, ob Sie sie abwarten – oder jetzt gestalten.
Vereinbaren Sie ein Gespräch mit unseren Experten: Wir zeigen Ihnen,
- welche Bauteile in Ihrer Supply Chain strukturell kritisch sind,
- wie sich diese über das Critical Parts Concept absichern lassen
- und wie Sie ACT (Awareness, Control, Transformation) pragmatisch in Ihre Organisation bringen.
Ein erstes Gespräch kostet Sie 60 Minuten – kann aber im nächsten Engpass Wochen Stillstand verhindern.