Elektronische Bauteile altern nicht erst, wenn sie in Betrieb gehen. Luftfeuchtigkeit, elektrostatische Entladung und materialbedingte Veränderungen können auch während der Lagerung die spätere Funktionsfähigkeit beeinflussen. Das Risiko wird besonders relevant, wenn ein Bauteil abgekündigt ist, eine Ersatzteilversorgung über Jahre abgesichert werden muss oder ein Last-Time-Buy geplant wird.

Langzeitlagerung bedeutet deshalb mehr als Bestand einzulagern. Sie verbindet Schutzmaßnahmen, regelmäßige Kontrollen und dokumentierte Prozesse so, dass Komponenten über den vorgesehenen Zeitraum verfügbar und verarbeitbar bleiben können.

Helen Gallwas
Marketing Communication Manager
Kontaktieren Sie uns

Schutz nach DIN EN IEC 62435

Die DIN EN IEC 62435 setzt einen wichtigen Standard für die Langzeitlagerung. btv technologies geht darüber hinaus: Bauteile werden beim Wareneingang geprüft und anschließend unter kontrollierten Bedingungen gelagert – mit Vakuumverpackung, zusätzlicher Schutzverpackung und Stickstoff. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden überwacht, die Lagerumgebung ist gegen äußere Störeinflüsse abgeschirmt.

Repacking in festen Zyklen, dokumentierte Prozessschritte und unabhängige Validierungen ergänzen den Schutz. So bleibt Langzeitlagerung bei btv technologies nicht bei einer Normvorgabe stehen, sondern wird aktiv begleitet.

Langzeitlagerung oder Langzeitkonservierung?
Der Unterschied liegt im Prozess.

Langzeitkonservierung beschreibt vor allem die Maßnahmen, mit denen ein Bauteil gegen äußere Einflüsse geschützt wird – etwa durch Feuchteschutz, Vakuumverpackung, Stickstoffatmosphäre oder geeignete Verpackungsmaterialien.

Für eine langfristig nutzbare Komponentenversorgung reicht Konservierung allein jedoch nicht aus. Bauteile müssen beim Wareneingang geprüft, unter kontrollierten Bedingungen gelagert, in festen Zyklen überwacht und bei Bedarf neu verpackt werden. Bei Steuergeräten oder Baugruppen können außerdem Bestromung und Funktionsprüfungen erforderlich sein.

Langzeitlagerung bei btv technologies verbindet deshalb Konservierung mit einem dokumentierten Prozess. Dazu gehören die Prüfung von Identität, Menge und Originalverpackung, kontrollierte Lagerbedingungen, definierte Repacking-Zyklen, vereinbarte Prüfmaßnahmen sowie die Rückverfolgbarkeit von Lagerbewegungen und Prozessschritten.

Der Unterschied zeigt sich nicht am Tag der Einlagerung. Er zeigt sich dann, wenn eine Komponente nach Jahren wieder benötigt wird: Ist sie noch verfügbar? Ist sie weiterhin verarbeitbar? Und lässt sich nachvollziehen, wie sie während der Lagerzeit geschützt und begleitet wurde?

Langzeitkonservierung Langzeitlagerung bei btv technologies
Schutz vor Feuchtigkeit, Oxidation und weiteren äußeren Einflüssen Schutzmaßnahmen plus kontrollierte Lagerumgebung und dokumentierter Prozess
Fokus auf Verpackung, Atmosphäre und Materialschutz Fokus auf Bauteil, Verpackung, Lagerdauer, Prüfzyklen und spätere Einsatzfähigkeit
Konservierung zu einem bestimmten Zeitpunkt Aktive Begleitung über die gesamte vereinbarte Lagerdauer
Vakuumverpackung, Stickstoffatmosphäre, Trockenmittel oder Feuchteschutz Repacking-Zyklen, mögliche Bestromung und Funktionsprüfungen sowie Rückverfolgbarkeit je Verpackungseinheit
Ausgangspunkt für den Werterhalt Baustein einer langfristigen Versorgungsstrategie

Welche Risiken entstehen im Lager?

  • Feuchtigkeit: Oxidation und Diffusion an Bauteilanschlüssen können die spätere Lötbarkeit beeinträchtigen.
  • ESD: Elektrostatische Entladung kann latente Schäden verursachen, die bei der Einlagerung nicht sichtbar sind.
  • Chemische Alterung: Auch ausgeschaltete und verpackte Bauteile verändern sich über lange Zeiträume.
  • Alterung von Baugruppen: Bei Steuergeräten oder bestückten Baugruppen können zusätzlich Kondensatoren und Lötstellen relevant werden.

Die richtige Schutzstufe richtet sich daher nicht nur nach der Stückzahl. Wichtig sind Bauteiltyp, Laufzeit, Anwendung, Kritikalität der Baugruppe und die Frage, wie lange die Versorgung tatsächlich reichen muss.

Drei Schutzstufen im Vergleich

Element btv-Standardlagerung Langzeitlagerung btv LONGEVITY®
Typischer Lagerhorizont bis ca. 2 Jahre 3–15 Jahre über 50 Jahre
Schutz Klimatisiert, ESD-sicher, FM-Global-Brandschutz Stickstoffatmosphäre, Vakuumversiegelung, intelligentes Repacking Langzeitlagerungs-Standard plus Anti-Off-Gassing-Beutel mit Opfermaterial
Validierung Übererfüllt EN 62435 Fraunhofer-ISIT-Test seit 2000 Baut auf der validierten Langzeitlagerungs-Basis auf
Traceability Rückverfolgbarkeit je Verpackungseinheit, 30 Jahre Archivierung identisch identisch

Repacking, Prüfung und Dokumentation

Langzeitlagerung bedeutet bei btv technologies nicht, dass Bauteile über Jahre unangetastet im Regal liegen. Komponenten werden in definierten Zyklen kontrolliert und neu verpackt. Das Repacking erfolgt turnusmäßig alle zwei Jahre – und damit deutlich vor Ablauf der dreijährigen Mindesthaltbarkeit der eingesetzten Moisture Barrier Bags. So bleibt nicht nur das Bauteil geschützt, sondern auch seine Schutzverpackung verlässlich.

Bei Steuergeräten und anderen Baugruppen können zusätzlich regelmäßige Bestromung und Funktionsprüfungen vereinbart werden. Lagerbewegungen, Kontrollen und weitere Prozessschritte werden dokumentiert. Dadurch bleibt nachvollziehbar, welche Verpackungseinheit wann eingelagert, geprüft, bearbeitet oder ausgeliefert wurde.

Die Wirksamkeit dieses Lagerprozesses wurde vom Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) anhand von SMD-Bauteilen untersucht, die seit Ende 2000 bei btv technologies eingelagert waren. Ziel war es, ihre aktuelle Verarbeitbarkeit zu bewerten und ihre Lötbarkeit unter zusätzlicher künstlicher Alterung zu prüfen. Selbst nach trockener Wärme bei 155 °C über 16 Stunden sowie feuchter Wärme bei 85 °C und 85 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit über 24 Stunden wurden bei der anschließenden Reflow-Lötung keine Benetzungsdefizite festgestellt.

Die Untersuchung bezieht sich auf die geprüften Bauteile und Bedingungen. Sie zeigt, dass die bei btv technologies angewandten Schutz- und Lagerprozesse die Verarbeitbarkeit von Komponenten auch nach langer Lagerdauer unterstützen können.

 

Wann ist Langzeitlagerung sinnvoll?

Langzeitlagerung wird dann relevant, wenn Bauteilverfügbarkeit und Produktlaufzeit nicht mehr zusammenpassen. Das kann der Fall sein, wenn eine Komponente vor dem End-of-Life steht, ein Produkt noch über viele Jahre versorgt werden muss oder ein Redesign umfangreiche technische Änderungen, erneute Freigaben und zusätzlichen Aufwand auslösen würde.

Auch für die Ersatzteilversorgung, eine geplante End-of-Life-Produktion oder strategisch kritische Baugruppen kann ein langfristiges Schutzkonzept sinnvoll sein. Langzeitlagerung ist dabei eine von mehreren Optionen im Obsoleszenzmanagement. Je nach Ausgangslage kommen beispielsweise ein Redesign, ein Last-Time-Buy, eine lizenzierte Fertigung oder die End-of-Life-Produktion von Baugruppen infrage.

Die passende Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab: Wie lange muss das Produkt noch versorgt werden? Welche Bauteile sind kritisch? Welche Alternativen sind technisch zulässig? Und welche Änderungen wären für Entwicklung, Qualität, Zulassung und Produktion erforderlich?

btv technologies unterstützt Unternehmen dabei, Bauteilverfügbarkeit, Lagerdauer und Schutzbedarf einzuordnen. Auf dieser Grundlage lässt sich bewerten, ob und welche Komponenten langfristig geschützt werden sollten.

Nicht jedes Bauteil benötigt dieselbe Schutzstufe. Bauteiltyp, Verpackung, geplante Lagerdauer, Einsatzumgebung und Bedeutung für die Baugruppe bestimmen, welche Maßnahmen angemessen sind. Deshalb wird das Schutzkonzept bei btv technologies anhand der konkreten Stückliste, der geplanten Nutzung und des jeweiligen Risikoprofils abgestimmt.

Ihre Bauteile verdienen einen Schutz, der mitdenkt

Sie möchten prüfen, welche Bauteile Ihrer Stückliste langfristig geschützt werden sollten? Gemeinsam betrachten wir Bauteiltyp, geplante Lagerdauer, Produktlaufzeit und Schutzbedarf – und finden die passende Lagerstrategie für Ihren Bestand.

TERMIN WÄHLEN

Sebastian Gersmann
Key Account Manager
TERMIN WÄHLEN
Thomas Hase
Key Account Manager
TERMIN WÄHLEN
Christian Schoregge
Key Account Manager
TERMIN WÄHLEN

Häufige Fragen zur Langzeitlagerung elektronischer Bauteile

Die btv-Standardlagerung ist für planbare Lagerzeiträume von bis zu etwa zwei Jahren ausgelegt. Sie bietet bereits kontrollierte Lagerbedingungen, ESD-Schutz und brandschutztechnische Absicherung.

Langzeitlagerung ergänzt diese Basis für längere Zeiträume um weitergehende Schutzmaßnahmen: etwa Stickstoffatmosphäre, Vakuumversiegelung, regelmäßiges Repacking, abgestimmte Prüfkonzepte und dokumentierte Schutzzyklen. Ziel ist, Komponenten nicht nur verfügbar zu halten, sondern ihre Verarbeitbarkeit über die vereinbarte Lagerdauer zu unterstützen.

Langzeitkonservierung beschreibt vor allem Maßnahmen zum Schutz vor äußeren Einflüssen – zum Beispiel Vakuumverpackung, Stickstoffatmosphäre, Trockenmittel oder Feuchteschutz.

Langzeitlagerung umfasst darüber hinaus den gesamten Prozess: Prüfung beim Wareneingang, kontrollierte Lagerbedingungen, definierte Repacking-Zyklen, mögliche Bestromung und Funktionsprüfungen sowie die Rückverfolgbarkeit der Lagerbewegungen und Prozessschritte.

Die btv-Standardlagerung ist für einen Horizont von bis zu etwa zwei Jahren ausgelegt. Langzeitlagerung deckt typischerweise drei bis 15 Jahre ab. Für besonders langfristige Anforderungen steht btv LONGEVITY® mit einem Lagerhorizont von über 50 Jahren zur Verfügung.

Welche Lagerdauer für ein konkretes Bauteil sinnvoll ist, hängt unter anderem von Bauteiltyp, Verpackung, Anwendung, Schutzbedarf und geplanter Nutzung ab.

btv technologies betreibt zwei Lagerstandorte in Deutschland: den neuen Logistik-Hub in Werl (6.000 m² Lager, drei unabhängige Brandabschnitte, AutoStore-System) sowie den Hauptsitz in Unna mit weiteren 20.000 Lagerplätzen. Beide Standorte sind operativ unabhängig und bieten gemeinsam ein redundantes Sicherheitsnetz für kritische Bestände.

Rückverfolgbarkeit je Verpackungseinheit bedeutet, dass Lagerbewegungen und vereinbarte Prozessschritte einer konkreten Verpackungseinheit zugeordnet werden können. Dadurch bleibt nachvollziehbar, wann Bestand eingelagert, geprüft, bearbeitet oder ausgeliefert wurde.

Die Prozessdaten werden bei btv technologies über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren archiviert.

Das hängt unter anderem von Bauteiltyp, Verpackung, Material, Anwendung und geplanter Lagerdauer ab. Auch die Frage, ob es sich um eine einzelne Komponente, eine Leiterkarte oder ein Steuergerät handelt, beeinflusst das Schutzkonzept.

Die Eignung und die passende Schutzstufe sollten deshalb vor der Einlagerung anhand der konkreten Stückliste, der Produktlaufzeit und des Risikoprofils geprüft werden.

Elektrolytkondensatoren in Steuergeräten und anderen elektronischen Baugruppen können bei längerer spannungsloser Lagerung an Funktionsfähigkeit verlieren. Die Oxidschicht des Dielektrikums baut sich mit der Zeit ab. Das kann zu erhöhten Leckströmen führen und im ungünstigen Fall die Funktion der Baugruppe beeinträchtigen.

Regelmäßige, dokumentierte Bestromung unterstützt die Reformation dieser Oxidschicht und kann dazu beitragen, die Funktionsfähigkeit der Baugruppe über den vorgesehenen Lagerzeitraum zu erhalten. Bei btv technologies kann ein entsprechendes Bestromungs- und Funktionsprüfkonzept als Teil des btv LONGEVITY®-Konzepts vereinbart werden.

Welche Schutzstufe passt zu Ihren Bauteilen?

Sie möchten prüfen, welche Komponenten Ihrer Stückliste über welchen Zeitraum verfügbar und verarbeitbar bleiben müssen? Gemeinsam betrachten wir Bauteiltyp, Produktlaufzeit, Lagerdauer und Schutzbedarf – und finden die passende Lagerstrategie für Ihren Bestand.

Weitere Artikel

Vernetzte Medizinprodukte: Warum MDR allein nicht reicht

Ein Medizinprodukt, zwei Rechtsgrundlagen: Warum MDR-Zulassung nicht vor CRA-Pflichten schützt – und was das für Firmware und Nachweisführung bedeutet.

Was btv SEEL® wirklich zur CRA-Konformität beiträgt

Ab September 2026 gelten die CRA-Meldepflichten. Was das für Ihre Programmierprozesse bedeutet – und wo btv SEEL® ansetzt.

Kostendruck verändert die Lieferkette

Kostendruck verlangt mehr als niedrigere Einkaufspreise. Vier Partnerschaftsmodelle zeigen, wie Automotive-Unternehmen Komplexität reduzieren und kritische Versorgungsoptionen sichern können.